Gesundheit

Analdrüse bei der Katze: Funktion, Verstopfung und wann Handeln nötig ist

Analdrüsenprobleme sind bei Katzen seltener als bei Hunden, kommen aber vor - Schlittenfahren und übermäßiges Lecken am After sind die typischen Warnzeichen.

Redaktion Katzen-Online Veröffentlicht am Wie wir arbeiten

Ruhende Katze
Foto: Erik-Jan Leusink (CC0 1.0) · Bildnachweis

Kein Ersatz für die Tierarztpraxis. Dieser Text ist redaktionell recherchiert und ersetzt keine Untersuchung. Bei akuten Symptomen - Atemnot, wiederholtes Erbrechen, vergebliches Pressen auf der Toilette, Apathie - gehört die Katze umgehend in tierärztliche Behandlung.

Schlittenfahren, intensives Lecken am After, ein plötzlicher, unangenehmer Geruch - Analdrüsenprobleme gehören bei Katzen zu den eher selteneren, aber durchaus vorkommenden Beschwerden. Wer die Anzeichen kennt, kann früh reagieren, bevor aus einer Verstopfung eine Entzündung oder ein Abszess wird.

Was die Analdrüsen überhaupt tun

Katzen besitzen beidseitig des Afters, etwa auf 4- und 8-Uhr-Position, jeweils eine kleine Analdrüse (Analbeutel). Diese Beutel produzieren ein übelriechendes, öliges Sekret, das der Reviermarkierung und der individuellen Erkennung dient - vergleichbar mit einem “Ausweis” unter Katzen. Beim normalen Kotabsatz wird das Sekret durch den Druck des passierenden Kots automatisch mit entleert.

Bei den meisten Katzen funktioniert dieser Mechanismus ein Leben lang problemlos, ohne dass jemals eingegriffen werden muss. Anders als bei manchen Hunderassen sind Analdrüsenprobleme bei Katzen insgesamt seltener, kommen aber vor allem bei weichem Kot, Übergewicht oder anatomischen Besonderheiten vor.

Wenn die Entleerung nicht mehr klappt: Verstopfung

Ist der Kot zu weich oder wird zu selten abgesetzt, reicht der natürliche Druck nicht aus, um die Beutel zu entleeren. Das Sekret staut sich, wird zähflüssiger und die Drüse verstopft.

Typische Anzeichen einer verstopften Analdrüse:

  • Schlittenfahren: Die Katze rutscht mit dem Hinterteil über den Boden.
  • Häufiges, intensives Lecken oder leichtes Beißen in Richtung After.
  • Unruhiges Sitzen oder ein auffälliges Hochheben des Schwanzes.
  • Ein unangenehmer, fischiger Geruch, der auch ohne direkten Kontakt wahrnehmbar sein kann.
  • Gelegentlich eine leichte, tastbare Schwellung seitlich unterhalb des Afters.

Schlittenfahren ist eines der bekanntesten, aber nicht das einzig mögliche Zeichen. Seltener stecken auch andere Ursachen dahinter, etwa Würmer oder Hautreizungen im Analbereich - siehe dazu auch Wurmkur bei der Katze. Bei wiederholtem oder anhaltendem Auftreten gehört das in jedem Fall abgeklärt.

Wenn es weitergeht: Entzündung und Abszess

Bleibt eine Verstopfung unbehandelt, kann sich die gestaute Drüse entzünden (Analbeutelentzündung). Die Region wird gerötet, geschwollen und schmerzhaft, die Katze reagiert empfindlich auf Berührung in diesem Bereich und zeigt oft deutlichere Unruhe als bei einer reinen Verstopfung.

Schreitet die Entzündung weiter fort, kann sich ein Abszess bilden - eine schmerzhafte, mit Eiter gefüllte Schwellung, die im schlimmsten Fall von selbst aufplatzt. Ein Abszess ist immer ein Fall für die tierärztliche Praxis: Er muss in der Regel gereinigt, gespült und mit einer entsprechenden Behandlung versorgt werden.

Anzeichen, bei denen zeitnah eine Praxis aufgesucht werden sollte:

  • Sichtbare Rötung, Schwellung oder Wärme seitlich des Afters
  • Deutliche Schmerzäußerung bei Berührung der Region oder beim Sitzen
  • Austritt von Flüssigkeit, Blut oder Eiter
  • Anhaltendes Schlittenfahren oder Lecken trotz Beobachtung über mehrere Tage
  • Fieber oder spürbar reduzierter Allgemeinzustand

Warum das Ausdrücken in Tierarzt-Hand gehört

Ein verbreiteter Reflex ist der Versuch, die Analdrüsen selbst auszudrücken. Davon ist grundsätzlich abzuraten. Falsch ausgeführt kann der Druck das umliegende Gewebe reizen oder verletzen und eine beginnende Entzündung eher verschlimmern als lösen. Die Drüsen liegen zudem anatomisch so, dass eine unsachgemäße Handhabung schnell mehr schadet als hilft.

In der tierärztlichen Praxis wird die Entleerung kontrolliert und mit der richtigen Technik durchgeführt. Bei wiederkehrenden Problemen zeigen viele Praxen Halterinnen und Haltern auf Wunsch, wie sich die Beutel bei Bedarf schonend entleeren lassen - das ersetzt aber nicht die fachliche Abklärung, ob überhaupt eine Verstopfung vorliegt oder bereits eine Entzündung begonnen hat.

Wie die tierärztliche Untersuchung abläuft

Bei Verdacht auf ein Analdrüsenproblem tastet die Praxis den Bereich vorsichtig von außen und, wenn nötig, vom Enddarm aus ab, um Größe, Konsistenz und Schmerzhaftigkeit der Drüsen einzuschätzen. Liegt eine reine Verstopfung vor, reicht oft eine vorsichtige, kontrollierte Entleerung der Beutel in der Praxis aus. Bei einer Entzündung kommen häufig entzündungshemmende oder schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz, teils auch lokal wirkende Präparate. Ein bereits entstandener Abszess muss in der Regel geöffnet, gespült und weiterbehandelt werden, mitunter unter kurzer Sedierung, damit die schmerzhafte Prozedur für die Katze möglichst stressfrei verläuft.

Wiederkehrende Probleme können ein Anlass sein, über eine dauerhafte Futterumstellung oder - in seltenen, hartnäckigen Fällen - über eine operative Entfernung der Analdrüsen nachzudenken. Diese Entscheidung wird individuell getroffen und ist nur bei wirklich chronischen, sonst nicht beherrschbaren Verläufen ein Thema.

Sind manche Katzen anfälliger als andere?

Übergewichtige Katzen und Katzen mit chronisch weichem Stuhl, etwa im Rahmen einer Futterunverträglichkeit, sind tendenziell häufiger betroffen, weil der natürliche Entleerungsmechanismus beim Kotabsatz schlechter funktioniert. Auch anatomische Besonderheiten einzelner Tiere können eine Rolle spielen. Eine generelle Rasseprädisposition wie beim Hund ist bei der Katze nicht in vergleichbarem Ausmaß bekannt, weshalb Analdrüsenprobleme in der Breite der Katzenpopulation vergleichsweise selten bleiben.

Vorbeugung

Ein paar Faktoren senken das Risiko wiederkehrender Probleme:

  • Fester, gut geformter Kot. Ballaststoffreiches, gut verdauliches Futter unterstützt die natürliche Entleerung beim Kotabsatz.
  • Normalgewicht. Übergewicht begünstigt anatomisch eine schlechtere Entleerung der Drüsen.
  • Ausreichend Bewegung, die die Darmtätigkeit generell unterstützt.
  • Bei wiederholten Problemen: regelmäßige Kontrolle durch die Praxis statt eigenständigem Ausdrücken.

Wann zum Tierarzt

Bei jedem Verdacht auf eine Analdrüsenverstopfung, spätestens aber bei Anzeichen einer Entzündung oder eines Abszesses, sollte zeitnah eine tierärztliche Praxis aufgesucht werden. Ein unbehandelter Abszess kann von selbst aufplatzen und die Wunde infiziert sich dann leicht zusätzlich - je früher eine Behandlung beginnt, desto unkomplizierter und schneller heilt die Region in der Regel ab. Was ein solcher Termin ungefähr kostet, lässt sich unter Tierarztkosten im Überblick einordnen. Wiederkehrende Analdrüsenprobleme können außerdem ein Hinweis auf ein zugrunde liegendes Verdauungsthema sein - allgemeine Warnzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, sind unter Woran erkenne ich, dass meine Katze krank ist zusammengefasst.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass die Analdrüse meiner Katze verstopft ist?
Typische Anzeichen sind Schlittenfahren auf dem Boden, häufiges und intensives Lecken oder Beißen am After, ein unangenehmer, fischiger Geruch, Unruhe beim Sitzen sowie gelegentlich eine sichtbare Schwellung oder Rötung seitlich des Afters.
Kann ich die Analdrüsen meiner Katze selbst ausdrücken?
Das Ausdrücken sollte in tierärztliche oder fachkundige Hand gehören. Falsch ausgeführt kann es die Drüse zusätzlich reizen, Gewebe verletzen oder eine Entzündung verschlimmern. Bei wiederkehrenden Problemen zeigt der Tierarzt Halterinnen und Haltern auf Wunsch die korrekte Technik.
Ist Schlittenfahren bei Katzen immer ein Zeichen für Analdrüsenprobleme?
Nicht zwangsläufig, aber es ist eines der häufigsten Anzeichen dafür und sollte immer ernst genommen werden. Seltener stecken auch Würmer, Reizungen der Analregion oder Hautprobleme dahinter. Bei wiederholtem Schlittenfahren lohnt eine tierärztliche Abklärung.
Was passiert, wenn eine verstopfte Analdrüse nicht behandelt wird?
Unbehandelt kann sich die Drüse entzünden und im weiteren Verlauf ein Abszess entstehen, der sehr schmerzhaft ist und aufplatzen kann. Je früher eine Verstopfung erkannt und behandelt wird, desto unkomplizierter verläuft die Behandlung.