Die Balinese entstand nicht auf Bali. Der Name wurde in den 1950er Jahren in den USA gewählt, weil die Bewegungen der Katzen an balinesische Tempeltänzerinnen erinnerten.
Tatsächlich ist die Balinese die halblanghaarige Variante der Siamkatze. Das Langhaar-Gen war im Siam-Bestand latent vorhanden; entsprechende Kitten galten lange als Fehlwürfe, bis sie ab den 1940er Jahren gezielt weitergezüchtet wurden.
Genetisch und charakterlich ist die Balinese eine Siam. Der Unterschied liegt allein im Fell.
Aussehen
Wie die Siam trägt die Balinese eine Point-Zeichnung: heller Körper, dunkle Abzeichen an Maske, Ohren, Beinen und Schwanz. Die Farbe entsteht durch eine temperaturabhängige Enzymvariante - Pigment bildet sich nur an den kühleren Körperstellen. Kitten kommen fast weiß zur Welt.
Das Fell ist halblang, seidig und hat keine Unterwolle. Am ausgeprägtesten ist es am Schwanz, der als wehende Fahne getragen wird. Am Körper liegt es eng an, sodass die Balinese schlanker wirkt, als das Wort Langhaar vermuten lässt.
Charakter
Wie die Siam: sehr gesprächig, sehr anhänglich, sehr intelligent.
Die Balinese kommentiert ihren Tag lautstark und mit einer tiefen, durchdringenden Stimme. Wer Ruhe sucht, ist bei dieser Rasse falsch. Es lohnt sich, vor der Anschaffung eine erwachsene Balinese oder Siam persönlich erlebt zu haben.
Sie ist ausgesprochen lernfähig, öffnet Türen, versteht Abläufe und braucht geistige Beschäftigung. Clickertraining funktioniert gut.
Der Kontaktbedarf ist hoch. Balinesen bauen eine sehr enge Bindung auf und vertragen längeres Alleinsein schlecht. Für Berufstätige ist die Haltung zu zweit praktisch Voraussetzung, siehe Katze alleine lassen.
Haltung
Viel Interaktion, viel Beschäftigung, viel vertikaler Raum. Intelligenzspielzeug, Futtersuchspiele und feste Spielzeiten. Ideen unter Wohnungskatze beschäftigen.
Ein zweites Tier mit ähnlichem Temperament ist meist die bessere Lösung als ein einzelnes Tier mit viel Ausstattung.
Pflege
Geringer als erwartet. Da die Unterwolle fehlt, verfilzt das Fell praktisch nicht. Ein- bis zweimal wöchentliches Kämmen genügt.
Gesundheit
Wie bei der Siam:
- PRA (progressive Retinaatrophie). Netzhautabbau bis zur Erblindung. Gentest verfügbar.
- Amyloidose, bei den orientalischen Rassen vor allem in der Leber. Kein Gentest, Auswahl über Stammbaumanalyse.
- Asthma und chronische Atemwegserkrankungen treten gehäuft auf. Staubarme Katzenstreu ist hier ein relevanter Faktor.
- HCM kommt vor, Herzultraschall der Zuchttiere ist sinnvoll.
Wie bei der Siam gilt auch hier: Sehr extreme Keilkopftypen zeigen häufiger Probleme mit Zähnen und Atmung. Ein moderater Typ ist gesundheitlich die bessere Wahl.