Katzenrassen

Europäisch Kurzhaar und Hauskatze

Die häufigste Katze überhaupt - und gesundheitlich meist die unproblematischste. Robust, vielseitig und in jedem Tierheim zu finden.

  • robust
  • anpassungsfähig
  • eigenständig
  • sehr unterschiedlich

Die Europäisch Kurzhaar geht auf die einheimischen Hauskatzen Europas zurück - jene Tiere, die seit der Römerzeit auf Höfen, in Städten und Speichern lebten. Sie ist damit keine Züchtung im eigentlichen Sinn, sondern eine natürlich entstandene Population, die 1982 als eigene Rasse anerkannt wurde.

Rasse oder Hauskatze?

Hier lohnt eine Unterscheidung:

Europäisch Kurzhaar (EKH) im engeren Sinn ist eine anerkannte Rasse mit Stammbaum und Zuchtstandard. Der Standard beschreibt bewusst eine Katze ohne Extreme - mittelgroß, kräftig, mit rundem Kopf und mittellanger Nase.

Hauskatze ohne Papiere ist die weit überwiegende Mehrheit der Katzen in Deutschland. Sie stammt aus derselben Population, wurde aber nicht kontrolliert verpaart.

Für die Haltung macht das kaum einen Unterschied. Für Zucht und Ausstellung schon.

Die Britisch Kurzhaar ist übrigens eine andere Rasse: Sie wurde aus den britischen Hauskatzen entwickelt, aber mit Persereinkreuzung zu einem deutlich gedrungeneren Typ geformt - siehe Britisch Kurzhaar.

Charakter

Hier lässt sich am wenigsten verallgemeinern - und das ist der Punkt. Weil die Hauskatze nicht auf ein Temperament hin selektiert wurde, ist die Bandbreite enorm: von ausgesprochen anhänglich bis deutlich distanziert, von ruhig bis sehr aktiv.

Genau das ist ein Vorteil, wenn man eine erwachsene Katze aus dem Tierheim aufnimmt: Der Charakter ist bereits erkennbar und muss nicht aus einem Rassestandard abgeleitet werden. Wer eine ruhige Katze sucht, kann eine ruhige Katze auswählen.

Generell gelten Hauskatzen als robust, anpassungsfähig und selbstständig. Der Jagdinstinkt ist meist gut ausgeprägt.

Gesundheit - der eigentliche Vorteil

Hauskatzen sind gesundheitlich in der Regel klar im Vorteil gegenüber Rassekatzen. Der Grund ist die breite genetische Basis: Es gab keine Selektion auf ein Erscheinungsmerkmal, keine Verengung des Genpools und keine Anreicherung rezessiver Defekte.

Konkret bedeutet das:

  • Keine rassetypische Häufung von HCM, PKD, PRA oder Speicherkrankheiten
  • Keine Zuchtmerkmale mit Krankheitswert wie verkürzte Nasen, Faltohren oder verkürzte Gliedmaßen
  • Häufig sehr hohe Lebenserwartung - 15 bis 20 Jahre sind bei guter Haltung realistisch

Das heißt nicht, dass Hauskatzen nicht krank werden. Die häufigen Erkrankungen der Katze - chronische Niereninsuffizienz, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Zahnerkrankungen - treffen sie genauso. Aber sie bringen keine rassebedingte Vorbelastung mit.

Pflege

Unkompliziert. Kurzes Fell, einmal wöchentliches Bürsten reicht, im Fellwechsel häufiger.

Haltung

Anpassungsfähig. Hauskatzen kommen sowohl mit Wohnungshaltung als auch mit Freigang zurecht, solange die Grundbedürfnisse gedeckt sind: ausreichend Ressourcen, Beschäftigung, Rückzugsorte und vertikaler Raum. Details unter Wohnungskatze beschäftigen.

Bei Freigang gehören Kastration, Kennzeichnung und Registrierung dazu - in vielen Kommunen ist das sogar vorgeschrieben.

Ein Argument für das Tierheim

In deutschen Tierheimen warten dauerhaft mehr Katzen auf Vermittlung, als vermittelt werden. Die Schutzgebühr liegt deutlich unter dem Preis einer Rassekatze und enthält in der Regel bereits Kastration, Impfung, Kennzeichnung und Registrierung.

Dazu kommt: Der Charakter des Tieres ist bekannt, das Alter ist bekannt, der Gesundheitszustand ist untersucht. Wer weiß, was zum eigenen Haushalt passt, kann gezielt auswählen - was bei einem acht Wochen alten Kitten nicht möglich ist.