Ernährung von Katzen ab acht Jahren
“Senior” beginnt auf der Verpackung bei acht Jahren. Das ist eine Vermarktungsgrenze, keine biologische. Eine gesunde Hauskatze ist mit acht in der Regel voll leistungsfähig; die durchschnittliche Lebenserwartung einer Wohnungskatze liegt bei etwa fünfzehn bis achtzehn Jahren.
Trotzdem lohnt es sich, ab diesem Alter genauer hinzusehen - nicht wegen des Futters, sondern wegen der Vorsorge.
Was sich im Alter tatsächlich ändert
Die Proteinverwertung sinkt. Ältere Katzen nehmen Protein aus dem Darm schlechter auf. Bekommen sie dann noch weniger davon, bauen sie Muskelmasse ab. Der schleichende Muskelschwund - erkennbar an vorstehenden Schulterblättern und Wirbeln bei gleichbleibendem Gewicht - ist ein häufiges Bild bei alten Katzen und meist eine Frage der Proteinversorgung, nicht des Alters an sich.
Der Energiebedarf steigt wieder. Zwischen etwa sieben und elf Jahren sinkt der Bedarf typischerweise, weil die Aktivität nachlässt. Ab ungefähr zwölf Jahren dreht sich das um: Die Verdauungsleistung nimmt ab, und viele alte Katzen brauchen pro Kilogramm mehr Energie als mittelalte. Gewichtsverlust bei einer alten Katze ist deshalb nie ein gutes Zeichen.
Der Geruchssinn lässt nach. Und damit der Appetit. Angewärmtes, aromatisches Nassfutter wird im Alter wichtiger.
Die Zähne machen Probleme. Zahnfleischentzündungen und resorptive Läsionen häufen sich. Eine Katze, die plötzlich Trockenfutter meidet, hat oft Schmerzen im Maul und keinen neuen Geschmack entwickelt.
Die Nieren. Chronische Niereninsuffizienz ist die häufigste Erkrankung alter Katzen. Sie entwickelt sich über Jahre und macht sich erst bemerkbar, wenn ein Großteil des Gewebes bereits geschädigt ist.
Der Proteinmythos
Jahrzehntelang galt: alte Katze, weniger Protein, um die Nieren zu schonen. Diese Empfehlung stammt aus Übertragungen von Nagerstudien und gilt heute als überholt.
Für gesunde ältere Katzen gibt es keinen Grund, Protein zu reduzieren. Im Gegenteil: Ein gutes Seniorfutter ist eher proteinreicher als ein Adultfutter, weil es die schlechtere Verwertung ausgleicht.
Bei diagnostizierter chronischer Nierenerkrankung ist die Lage anders. Dort geht es aber in erster Linie um die Phosphorreduktion, nicht um Protein. Nierendiäten sind entsprechend phosphorarm formuliert und enthalten hochwertiges, gut verwertbares Protein in moderater Menge. Welche Diät sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Praxis anhand des IRIS-Stadiums - das ist keine Frage, die sich über ein Regalprodukt beantworten lässt.
Was praktisch wichtig ist
Flüssigkeit. Alte Nieren konzentrieren den Harn schlechter, der Flüssigkeitsbedarf steigt. Ein hoher Nassfutteranteil ist im Alter noch wichtiger als vorher - siehe Nassfutter oder Trockenfutter. Mehrere Wasserstellen im Haushalt, abseits des Napfes, erhöhen die Trinkmenge messbar.
Mehrere kleine Mahlzeiten. Vier bis fünf Portionen sind für ältere Katzen leichter zu bewältigen als zwei große.
Erreichbarkeit. Arthrose ist bei alten Katzen weit verbreitet und wird selten erkannt, weil Katzen nicht humpeln, sondern einfach aufhören zu springen. Napf, Wasser und Katzentoilette gehören auf eine Ebene, ohne Sprünge und ohne hohe Einstiegskanten.
Gewicht dokumentieren. Einmal im Monat wiegen und notieren. Ein Verlust von mehr als fünf Prozent innerhalb weniger Monate ist ein Grund für einen Termin, auch wenn die Katze sonst fit wirkt. Wie man eine Katze zuverlässig wiegt, steht unter Katze wiegen.
Vorsorge schlägt Futterwahl
Der wirksamste Hebel im Alter ist nicht das Futter, sondern die Früherkennung. Ab etwa sieben Jahren ist ein jährlicher Check sinnvoll, ab zwölf ein halbjährlicher - mit Gewichtskontrolle, Blutdruckmessung, Blutbild und Harnuntersuchung.
Die drei häufigsten Erkrankungen der alten Katze - chronische Niereninsuffizienz, Schilddrüsenüberfunktion und Diabetes - lassen sich alle über Blut- und Harnwerte erkennen, lange bevor sichtbare Symptome auftreten. Und alle drei erfordern eine andere Ernährung. Erst die Diagnose, dann die Diät, nicht umgekehrt.
Woran man erste Anzeichen erkennt, steht unter Krankheitszeichen bei Katzen.
Häufige Fragen
- Ab wann gilt eine Katze als Senior?
- Die Futterindustrie setzt die Grenze meist bei acht Jahren an, das ist eine Marketinggrenze. Physiologisch beginnt der Alterungsprozess eher zwischen zehn und zwölf Jahren, ab etwa fünfzehn spricht man von geriatrischen Katzen. Der Vorsorgetermin sollte ab etwa sieben Jahren jährlich, ab zwölf halbjährlich stattfinden.
- Brauchen alte Katzen weniger Protein?
- Nein, in der Regel mehr. Ältere Katzen verwerten Protein schlechter und bauen ohne ausreichende Zufuhr Muskelmasse ab. Eine Proteinreduktion ist nur bei diagnostizierter, fortgeschrittener Nierenerkrankung sinnvoll - und auch dann geht es zuerst um Phosphor.
- Muss ich ab acht Jahren auf Seniorfutter umstellen?
- Nicht automatisch. Solange Gewicht, Fell und Blutwerte in Ordnung sind, kann ein hochwertiges Adultfutter weitergefüttert werden. Entscheidend ist der jährliche Gesundheitscheck, nicht das Datum auf dem Kalender.