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Die Sinne der Katze: sehen, hören, riechen, tasten

Katzen sehen schlechter scharf als wir, hören dafür bis in den Ultraschall und riechen mit einem Organ, für das wir keine Entsprechung haben.

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Katzen leben in derselben Wohnung wie wir und nehmen sie völlig anders wahr. Wer versteht, wie diese Wahrnehmung funktioniert, versteht auch viele Verhaltensweisen besser.

Sehen

Dämmerungssicht. Katzen brauchen etwa ein Sechstel der Lichtmenge, die ein Mensch benötigt. Drei Anpassungen machen das möglich: eine Pupille, die sich sehr weit öffnen kann, ein hoher Anteil an Stäbchen in der Netzhaut, und das Tapetum lucidum - eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, die einfallendes Licht ein zweites Mal durch die Sinneszellen schickt. Sie ist auch der Grund, warum Katzenaugen im Scheinwerferlicht aufleuchten.

In völliger Dunkelheit sieht allerdings auch eine Katze nichts.

Farben. Katzen haben zwei Zapfentypen, Menschen drei. Blau- und Grüntöne werden gut wahrgenommen, Rot dagegen kaum - es erscheint eher als Grau oder Grünton. Für ein dämmerungsaktives Raubtier ist das kein Nachteil: Bewegungserkennung ist wichtiger als Farbdifferenzierung.

Schärfe und Nahbereich. Die Sehschärfe liegt deutlich unter der des Menschen. Vor allem sehen Katzen im Nahbereich unter etwa 25 Zentimetern unscharf - genau dort, wo die Beute im Maul liegt. Diesen blinden Bereich gleichen sie über die Tasthaare aus.

Bewegung. Hier sind Katzen überlegen. Sie nehmen schnelle, ruckartige Bewegungen ausgezeichnet wahr, gleichmäßig langsame dagegen schlechter. Das erklärt, warum Spielzeug, das ruckartig bewegt wird und Pausen macht, sehr viel besser funktioniert als gleichmäßiges Hin und Her - siehe Wohnungskatze beschäftigen.

Sichtfeld. Etwa 200 Grad, davon rund 130 Grad binokular. Das gibt ein gutes räumliches Sehen für die Distanzschätzung beim Sprung.

Hören

Der leistungsfähigste Sinn der Katze. Der Hörbereich reicht von etwa 55 Hertz bis in den Ultraschall um 65 Kilohertz - der Mensch kommt auf etwa 20 Kilohertz.

Der Grund liegt in der Beute: Mäuse kommunizieren im Ultraschallbereich. Eine Katze hört eine Maus hinter einer Wand rascheln und kann sie orten.

Jedes Ohr wird von rund dreißig Muskeln bewegt und lässt sich um bis zu 180 Grad drehen, unabhängig vom anderen. Über die minimale Laufzeitdifferenz zwischen beiden Ohren orten Katzen eine Geräuschquelle auf wenige Zentimeter genau.

Praktische Folge: Laute, hohe Geräusche - Staubsauger, Föhn, quietschende Türen, schrille Stimmen - sind für Katzen deutlich unangenehmer als für uns.

Riechen

Katzen haben etwa 60 bis 80 Millionen Riechzellen, der Mensch rund 5 Millionen. Der Geruchssinn steuert die Nahrungsaufnahme unmittelbar: Was nicht riecht, wird nicht gefressen. Deshalb hilft angewärmtes Futter bei mäkeligen Katzen, und deshalb verlieren Katzen mit Schnupfen den Appetit - siehe Katze frisst nicht.

Dazu kommt ein Organ, für das es beim Menschen keine funktionale Entsprechung gibt: das Jacobsonsche Organ (Vomeronasalorgan) am Gaumen. Es analysiert nichtflüchtige Duftstoffe, vor allem Pheromone. Wenn eine Katze mit halb geöffnetem Maul verharrt und leicht die Oberlippe hochzieht, leitet sie Duftmoleküle dorthin - dieses Verhalten heißt Flehmen.

Für die Praxis heißt das: Parfümierte Katzenstreu, Duftsprays und Zitrusreiniger sind für eine Katze extrem intensiv. Der häufigste Grund, warum eine Toilette gemieden wird, ist ihr Geruch - siehe Katzenstreu im Vergleich.

Tasten

Vibrissen - die Tasthaare - sitzen nicht nur an der Schnauze, sondern auch über den Augen, am Kinn und an der Rückseite der Vorderbeine. Sie stecken tief in der Haut, sind von Blutsinus umgeben und haben eine eigene, dichte Nervenversorgung.

Ihre Aufgaben:

  • Nahbereich abtasten, dort wo die Katze unscharf sieht
  • Luftströmungen messen und damit Hindernisse erkennen, ohne sie zu berühren
  • Durchgänge einschätzen
  • Beute im Maul kontrollieren - die Vibrissen an den Vorderbeinen melden, ob die Maus sich noch bewegt
  • Stimmung anzeigen: nach vorn gerichtet bei Interesse, angelegt bei Angst oder Abwehr

Tasthaare dürfen niemals gekürzt werden. Eine Katze ohne funktionsfähige Vibrissen ist im Nahbereich orientierungslos.

Ein praktischer Nebeneffekt: Enge, tiefe Näpfe drücken beim Fressen auf die Tasthaare. Viele Katzen empfinden das als unangenehm und lassen Futter am Rand liegen. Flache, breite Näpfe lösen das.

Gleichgewicht

Der Vestibularapparat im Innenohr ist außergewöhnlich fein. Zusammen mit der sehr beweglichen Wirbelsäule ermöglicht er den Stellreflex: Die Katze dreht im Fall zuerst den Kopf, dann den Vorderkörper, dann den Hinterkörper und landet auf den Pfoten.

Das schützt allerdings nicht vor Verletzungen. Der Reflex braucht eine Mindestfallhöhe, und er verhindert keine Brüche, Lungenkontusionen oder inneren Verletzungen. Katzen sind zudem nicht schwindelfrei und schätzen Höhen falsch ein - weshalb Balkon und Fenster gesichert gehören.

Schmecken

Der schwächste Sinn. Katzen haben nur etwa 470 Geschmacksknospen, Menschen rund 9.000. Vor allem fehlt ihnen der funktionsfähige Rezeptor für Süß - eine Genmutation, die bei allen Katzenartigen auftritt. Für einen reinen Fleischfresser hat Süßgeschmack keinen Nutzen.

Gut wahrnehmen können Katzen dagegen bitter, sauer und bestimmte Aminosäuren. Das erklärt, warum die Zusammensetzung des Futters weniger über den Geschmack als über den Geruch entschieden wird.

Häufige Fragen

Können Katzen im Dunkeln sehen?
Nicht in völliger Dunkelheit, aber bei etwa einem Sechstel der Lichtmenge, die ein Mensch braucht. Möglich machen das eine große Pupille, ein hoher Anteil an Stäbchen in der Netzhaut und das Tapetum lucidum, eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut.
Sehen Katzen Farben?
Ja, aber eingeschränkt. Katzen besitzen zwei Zapfentypen und nehmen vor allem Blau- und Grüntöne wahr. Rot erscheint ihnen eher als Grau- oder Grünton. Ihr Sehsystem ist auf Bewegung und Dämmerung optimiert, nicht auf Farbdetails.
Warum haben Katzen Schnurrhaare?
Die Vibrissen sind hochsensible Tastorgane mit eigener Nervenversorgung. Sie messen Luftströmungen, erfassen Objekte im Nahbereich, in dem die Katze nicht scharf sieht, und helfen beim Einschätzen von Durchgängen. Sie dürfen niemals gekürzt werden.