Haltung

Balkon und Fenster katzensicher machen

Katzen sind nicht schwindelfrei, und sie landen nicht immer auf den Pfoten. Das gekippte Fenster ist dabei gefährlicher als der offene Balkon.

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Zwei Gefahrenquellen führen bei Wohnungskatzen regelmäßig zu schweren Verletzungen: das gekippte Fenster und der ungesicherte Balkon. Beide sind mit überschaubarem Aufwand zu entschärfen.

Das Kippfenster

Der gefährlichere der beiden Punkte, obwohl er harmloser aussieht.

Die Katze versucht, durch den Spalt nach draußen zu gelangen. Der Kippspalt verengt sich nach unten keilförmig. Rutscht die Katze mit dem Hinterkörper hinein, klemmt sie fest - und beim Versuch, sich zu befreien, arbeitet sie sich weiter nach unten in die Enge.

Die Folgen sind schwer: Quetschungen von Rückenmark und Nerven, Durchblutungsstörungen der Hinterbeine, Schädigung innerer Organe. Selbst bei rechtzeitiger Rettung bleiben häufig dauerhafte Schäden. Das Krankheitsbild ist in der Tiermedizin so verbreitet, dass es einen eigenen Namen hat.

Die Lösung ist einfach und günstig: Kippfensterschutz aus Kunststoff oder Metall, der den Keil ausfüllt. Es gibt Varianten zum Kleben, Klemmen und Schrauben. Wichtig ist, dass alle Kippfenster gesichert sind, nicht nur die im Wohnzimmer - auch Bad und Schlafzimmer.

Alternativ: Fenster gar nicht kippen, sondern über ein gesichertes Netz vollständig öffnen.

Der Mythos vom sicheren Fall

Katzen haben einen Stellreflex und drehen sich im Fall auf die Pfoten. Das schützt vor manchen Verletzungen, aber nicht vor allen - und es funktioniert nur, wenn die Fallhöhe ausreicht, um sich zu drehen.

Typische Verletzungen nach einem Sturz: Brüche an Kiefer und Gaumen durch den Aufprall des Kopfes, Frakturen an Beinen und Becken, Lungenkontusionen, Zwerchfellrisse, innere Blutungen.

Hinzu kommt: Katzen sind nicht schwindelfrei. Sie schätzen Höhen falsch ein, besonders wenn sie einem Vogel nachsehen oder erschrecken. Und eine Katze, die zwanzigmal sicher auf der Brüstung saß, kann beim einundzwanzigsten Mal abrutschen.

Balkon sichern

Katzennetz. Der Standard. Wichtige Punkte:

  • Reißfestes Material, meist Polyethylen mit Drahtkern bei größeren Flächen
  • Maschenweite klein genug, dass der Kopf nicht durchpasst - meist etwa drei Zentimeter
  • Vollständige Umschließung einschließlich der Decke, wenn darüber ein Balkon liegt, den die Katze erklettern könnte
  • Spannung ausreichend, damit sich die Katze nicht verfängt
  • Regelmäßige Kontrolle auf Löcher, besonders unten

Katzengitter aus Metall. Teurer, aber langlebig und optisch für manche angenehmer. Vor allem im Erdgeschoss oder bei starkem Wind sinnvoll.

Ohne Bohren. Für Mietwohnungen gibt es Systeme mit Teleskop- oder Klemmstangen, die zwischen Boden und Decke beziehungsweise zwischen den Seitenwänden verspannt werden. Das Netz wird daran befestigt. Diese Lösungen sind bei ordentlicher Montage stabil und hinterlassen keine Spuren.

Rechtliches: Bohrungen in Fassade oder Fensterrahmen bedürfen in der Regel der Zustimmung. Ein kurzes schriftliches Anfragen ist üblich und wird meist genehmigt, weil ein Netz keine Substanzschädigung darstellt. In Eigentümergemeinschaften kann zusätzlich ein Beschluss nötig sein, wenn die Optik der Fassade betroffen ist.

Was auf dem gesicherten Balkon fehlt

Ist der Balkon gesichert, wird er zum wertvollsten Raum der Wohnung. Was ihn attraktiv macht:

  • Schattenplatz. Katzen überhitzen schneller als angenommen, ein sonniger Balkon ohne Rückzugsmöglichkeit ist gefährlich.
  • Wasser, wenn die Katze längere Zeit draußen ist.
  • Erhöhte Liegefläche mit Blick nach außen.
  • Katzengras, ungespritzt.
  • Rückweg in die Wohnung, der immer offen ist.

Vorsicht bei Pflanzen. Auf Balkonen stehen häufig giftige Arten: Oleander, Efeu, Engelstrompete, Fingerhut, Eibe. Auch Lilien in Kübeln sind hochgiftig. Liste unter Warum fressen Katzen Gras.

Weitere Gefahrenpunkte in der Wohnung

Wenn man ohnehin dabei ist:

  • Waschmaschine und Trockner vor jedem Start kontrollieren
  • Dachfenster ebenso sichern wie normale Fenster
  • Fäden, Nähgarn, Geschenkbänder, Haargummis wegräumen - verschluckte Fäden sind einer der gefährlichsten Notfälle
  • Kerzen nie unbeaufsichtigt
  • Herdplatten und Backofentüren
  • Toilettendeckel schließen, besonders bei Kitten
  • Putzmittel in geschlossenen Schränken

Nach einem Sturz

Auch wenn die Katze aufsteht und normal läuft: immer vorstellen. Lungenkontusionen, Zwerchfellrisse und innere Blutungen entwickeln ihre volle Symptomatik oft erst nach Stunden.

Transport: Katze in ein Handtuch wickeln, in die Transportbox setzen, möglichst wenig bewegen. Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung auf eine feste Unterlage schieben statt zu heben. Details unter Erste Hilfe bei Katzen.

Und danach: die Ursache abstellen. Ein Sturz ist fast immer ein Hinweis darauf, dass eine Sicherung fehlt oder eine bestehende nicht mehr intakt ist.

Häufige Fragen

Warum ist ein Kippfenster für Katzen gefährlich?
Die Katze versucht, durch den Spalt zu klettern, rutscht mit dem Hinterkörper in den sich nach unten verengenden Keil und klemmt fest. Beim Befreiungsversuch arbeitet sie sich tiefer hinein. Die Folge sind Quetschungen von Rückenmark, Nerven und inneren Organen - oft mit bleibenden Schäden.
Darf ich in einer Mietwohnung ein Katzennetz anbringen?
Bohrungen in Fassade oder Rahmen erfordern in der Regel die Zustimmung der Vermieterseite. Es gibt jedoch Systeme mit Klemmstangen und Spannrahmen, die ohne Bohren auskommen. Ein Blick in den Mietvertrag und eine kurze schriftliche Anfrage schaffen Klarheit.
Meine Katze ist gestürzt, läuft aber normal. Muss ich zum Tierarzt?
Ja. Nach einem Sturz aus dem Obergeschoss sind innere Verletzungen, Lungenkontusionen und Zwerchfellrisse typisch und zeigen sich teils erst nach Stunden. Die Katze gehört auch bei unauffälligem Verhalten vorgestellt.