Warum fressen Katzen Gras?
Fast jede Katze frisst Grün, wenn sie die Gelegenheit dazu hat - auch reine Wohnungskatzen, die nie ein Beutetier gesehen haben. Über die Gründe wird seit Jahrzehnten diskutiert.
Die gängigen Erklärungen im Check
Haarballen ausbrechen. Die populärste Erklärung. Katzen nehmen beim Putzen Haare auf, die sich im Magen zu Ballen formen. Grashalme reizen die Magenschleimhaut und lösen Erbrechen aus, der Ballen kommt mit hoch. Plausibel - aber die meisten Katzen erbrechen nach dem Grasfressen gar nicht.
Ballaststoffe für die Verdauung. Unverdauliche Faserstoffe fördern die Darmpassage. Das ist grundsätzlich schlüssig, allerdings nehmen Katzen in der Natur Ballaststoffe bereits über Fell, Federn und Mageninhalt der Beute auf.
Folsäure. Junge Grastriebe enthalten Folsäure, die für die Blutbildung nötig ist. Ein tatsächlicher Mangel bei ausgewogen ernährten Katzen ist aber nicht belegt.
Parasitenabwehr. Die derzeit meistdiskutierte Hypothese. Eine breit angelegte Beobachtungsstudie an Hauskatzen und Hunden fand, dass die große Mehrheit der Tiere nach dem Pflanzenfressen nicht erbrach und die Tiere überwiegend gesund wirkten. Die Autoren schlugen vor, dass Pflanzenfressen ein angeborenes Verhalten sein könnte, das bei wildlebenden Vorfahren die Darmpassage beschleunigt und so den Wurmbefall reduziert - unabhängig davon, ob im Einzelfall tatsächlich Parasiten vorliegen.
Fazit: Grasfressen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein normales Verhalten und kein Symptom. Die Haarballenthese erklärt nur einen Teil der Fälle.
Wann es doch ein Warnzeichen ist
Auffällig wird es, wenn sich das Muster ändert:
- Häufiges Erbrechen, mehr als ein- bis zweimal monatlich, mit oder ohne Gras
- Gieriges, hastiges Fressen großer Grasmengen, deutlich mehr als sonst
- Gleichzeitig Appetitverlust, Gewichtsverlust oder Durchfall
- Würgen ohne Ergebnis, wiederholt
Häufiges Erbrechen ist bei Katzen kein Normalzustand, auch wenn es oft so hingenommen wird. Dahinter können Futtermittelunverträglichkeiten, chronische Darmentzündungen, Schilddrüsenüberfunktion oder Fremdkörper stecken. Weitere Anhaltspunkte stehen unter Krankheitszeichen bei Katzen.
Was man anbieten sollte
Wenn die Katze ohnehin Grün frisst, ist es klüger, ein sicheres Angebot bereitzustellen, als es zu unterbinden. Sonst geht sie an die Zimmerpflanzen.
Geeignet:
- Zyperngras, robust und langlebig
- Keimlinge von Weizen, Gerste, Hafer, in Schalen selbst gezogen
- Grünlilie wird oft genannt, ist aber nur bedingt geeignet: leicht toxisch in größeren Mengen und bei manchen Katzen erbrechensfördernd
Wichtig: Katzengras aus dem Fachhandel oder selbst gezogen. Gräser und Pflanzen aus dem Blumenladen sind häufig mit Pestiziden behandelt.
Eine Anmerkung zu scharfkantigen Gräsern: Sehr harte, gesägte Halme können sich im Nasen-Rachen-Raum verhaken. Weiche Keimlinge sind hier die sicherere Wahl.
Die gefährlichen Zimmerpflanzen
Wichtiger als die Frage nach dem Warum ist die Frage, was in Reichweite steht. Diese Pflanzen gehören nicht in einen Katzenhaushalt:
| Pflanze | Gefahr |
|---|---|
| Lilien (alle Arten, inkl. Taglilien) | Höchstes Risiko. Bereits Pollen oder Vasenwasser können akutes Nierenversagen auslösen |
| Dieffenbachie | Verätzungen im Maul- und Rachenraum |
| Efeutute, Philodendron, Monstera | Calciumoxalatkristalle, Reizungen und Schwellungen |
| Alpenveilchen | Herzwirksam, Erbrechen, Krämpfe |
| Weihnachtsstern | Reizend, Erbrechen, Durchfall |
| Oleander | Herzglykoside, potenziell tödlich |
| Eibe | Hochgiftig |
| Maiglöckchen | Herzwirksam |
| Amaryllis | Erbrechen, Zittern |
| Yucca, Drachenbaum | Erbrechen, Speicheln |
Bei Verdacht auf Aufnahme gilt: sofort in die Praxis, Pflanzenteil mitnehmen, kein Erbrechen selbst auslösen. Details unter Erste Hilfe bei Katzen.
Haarballen reduzieren
Falls doch Haarballen der Auslöser sind, hilft weniger Haar im Magen:
- Regelmäßiges Bürsten, besonders bei Langhaarkatzen und im Fellwechsel. Details unter Fellpflege
- Malzpaste in Maßen, sie erleichtert die Passage
- Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, siehe Nassfutter oder Trockenfutter
Erbricht eine Katze regelmäßig große Haarballen, lohnt der Blick darauf, warum sie so viel putzt. Übermäßiges Putzen kann auch Ausdruck von Stress, Juckreiz oder Schmerz sein.
Häufige Fragen
- Ist es normal, wenn meine Katze nach dem Grasfressen erbricht?
- Gelegentliches Erbrechen nach Grasaufnahme ist unbedenklich. Erbricht eine Katze mehrmals wöchentlich, ist das kein normales Verhalten mehr und gehört abgeklärt - unabhängig davon, ob Gras im Spiel war.
- Welche Pflanzen sind für Katzen giftig?
- Besonders gefährlich sind Lilien in jeder Form, bereits Pollen können Nierenversagen auslösen. Ebenfalls giftig sind Dieffenbachie, Efeutute, Philodendron, Alpenveilchen, Weihnachtsstern, Oleander, Eibe und Maiglöckchen. Bei Verdacht auf Aufnahme sofort tierärztlichen Rat einholen.
- Was kann ich statt Gras anbieten?
- Katzengras aus dem Fachhandel, meist Zyperngras oder Weizen-, Gersten- und Haferkeimlinge. Wichtig ist, dass die Pflanze ungespritzt ist und nicht aus dem Blumenladen stammt, wo häufig Pestizide eingesetzt werden.