Fellpflege bei Katzen: bürsten, entfilzen, Fellwechsel
Katzen verbringen bis zu einem Drittel ihrer wachen Zeit mit Fellpflege. Das ist bemerkenswert effizient - und trotzdem gibt es Situationen, in denen sie Unterstützung brauchen.
Warum bürsten sinnvoll ist
- Weniger Haarballen. Jedes ausgebürstete Haar landet nicht im Magen. Das reduziert Erbrechen und im Extremfall das Risiko eines Ballens, der den Magen-Darm-Trakt blockiert. Siehe auch Warum fressen Katzen Gras.
- Weniger Haare in der Wohnung.
- Verfilzungen vorbeugen, besonders bei Langhaar.
- Gesundheitscheck nebenbei. Beim Bürsten fallen Knoten, kahle Stellen, Krusten, Zecken und Schwellungen auf, lange bevor sie sonst bemerkt würden.
- Bindung. Gegenseitige Fellpflege ist unter Katzen ein soziales Verhalten.
Wie oft
| Felltyp | Normal | Fellwechsel |
|---|---|---|
| Kurzhaar | 1 bis 2 mal pro Woche | täglich |
| Halblanghaar | 2 bis 3 mal pro Woche | täglich |
| Langhaar | täglich | täglich, teils zweimal |
| Senioren | 2 bis 3 mal pro Woche zusätzlich | täglich |
Der Fellwechsel liegt klassisch im Frühjahr und Herbst. Bei reinen Wohnungskatzen verschwimmt er, weil künstliches Licht und konstante Raumtemperatur den natürlichen Rhythmus stören - viele Wohnungskatzen haaren ganzjährig moderat.
Alte Katzen brauchen besondere Aufmerksamkeit. Wenn eine Katze plötzlich struppiges, verklebtes Fell bekommt, besonders am Rücken und über der Hüfte, steckt oft Arthrose dahinter: Sie erreicht diese Stellen nicht mehr. Auch Zahnschmerzen führen dazu, dass die Fellpflege nachlässt - siehe Zahnpflege.
Das richtige Werkzeug
Gummistriegel oder Noppenhandschuh. Ideal für Kurzhaar. Nimmt lose Haare auf, massiert und wird von den meisten Katzen als angenehm empfunden. Guter Einstieg für skeptische Tiere.
Doppelseitige Bürste mit Borsten und Metallstiften. Universell einsetzbar. Die Stiftseite sollte abgerundete Enden haben.
Metallkamm mit weiten und engen Zinken. Unverzichtbar bei Langhaar. Der Kamm ist das eigentliche Arbeitsgerät - eine Bürste gleitet über Knoten hinweg, ein Kamm findet sie.
Unterwollkamm oder Entfilzungskamm. Für dichtes Unterfell, etwa bei Maine Coon oder Norwegischer Waldkatze. Mit Bedacht einsetzen, die Klingen sind scharf.
Furminator-artige Werkzeuge. Sehr effektiv beim Entfernen von Unterwolle, aber leicht überdosiert. Bei zu häufiger Anwendung wird Deckhaar mitentfernt und die Haut gereizt. Maximal einmal wöchentlich, nur im Fellwechsel.
Ungeeignet: menschliche Haarbürsten mit Kugelenden, die sich in der Unterwolle verhaken, und Werkzeuge mit scharfen, ungeschützten Metallspitzen.
Katzen ans Bürsten gewöhnen
Wer eine Katze festhält und durchbürstet, hat beim nächsten Mal ein Problem. Der Aufbau läuft in kleinen Schritten:
- Bürste sichtbar liegen lassen, damit sie zum normalen Inventar gehört.
- Wenige Striche an einer Stelle, die die Katze mag - meist Wangen, Kinn, Nacken. Dann aufhören, solange es gut läuft.
- Loben und belohnen, direkt danach.
- Bereich langsam erweitern: Rücken, Flanken, später Bauch und Hinterbeine.
- Immer vor der Grenze aufhören. Ohren angelegt, Schwanzzucken, angespannte Haltung sind Abbruchsignale.
Empfindliche Zonen sind Bauch, Innenschenkel, Achseln und der Bereich um die Rute. Diese Stellen brauchen am meisten Geduld - und verfilzen ausgerechnet am schnellsten.
Ein günstiger Moment ist nach dem Fressen oder wenn die Katze ohnehin entspannt döst.
Verfilzungen
Filz entsteht dort, wo Reibung ist: hinter den Ohren, in den Achseln, an den Innenschenkeln, unter dem Hals, an der Rute.
Kleine Knoten: Fell an der Wurzel festhalten, damit nicht an der Haut gezogen wird. Dann mit den Fingern auseinanderzupfen und mit einem Entfilzungskamm von der Spitze her nach innen arbeiten - nie von der Haut nach außen ziehen.
Große, hautnahe Filzplatten: Nicht mit der Schere. Katzenhaut ist sehr dünn und liegt in Falten unter dem Filz; Schnittverletzungen sind bei diesem Vorgehen ausgesprochen häufig. Das gehört in die tierärztliche Praxis oder in ein spezialisiertes Katzensalon-Setting, oft mit Schermaschine und leichter Sedierung.
Vorbeugen ist deutlich einfacher: tägliches Durchkämmen bei Langhaar, besonders an den genannten Stellen.
Baden - meistens unnötig
Katzen brauchen kein Bad. Ihr Fell hat einen Fettfilm, der Schmutz und Nässe abweist; Shampoo entfernt ihn. Notwendig wird Baden nur bei Kontamination mit schädlichen Substanzen, bei bestimmten dermatologischen Behandlungen nach tierärztlicher Anweisung, bei stark übergewichtigen oder sehr alten Katzen, die sich nicht mehr putzen können, sowie manchmal bei haarlosen Rassen wie der Sphynx, deren Haut Talg ansammelt.
Wenn gebadet werden muss: nur Katzenshampoo, lauwarmes Wasser, Kopf trocken lassen, gut ausspülen, danach warm abtrocknen. Hunde- und Menschenshampoo haben den falschen pH-Wert.
Wann Fellprobleme ein Arztfall sind
- Kahle Stellen oder symmetrischer Haarausfall
- Krusten, Schuppen, Rötungen
- Übermäßiges Lecken an einer Stelle
- Plötzlich stumpfes, fettiges oder struppiges Fell
- Starker Juckreiz
Dahinter können Parasiten, Allergien, hormonelle Erkrankungen oder Schmerzen stehen. Weitere Hinweise unter Krankheitszeichen bei Katzen.
Häufige Fragen
- Wie oft sollte ich meine Katze bürsten?
- Kurzhaarkatzen ein- bis zweimal wöchentlich, im Fellwechsel täglich. Langhaarkatzen täglich, ganzjährig. Alte Katzen brauchen mehr Unterstützung, weil sie sich schlechter selbst erreichen.
- Was tun bei verfilztem Fell?
- Kleine Knoten vorsichtig mit den Fingern und einem Entfilzungskamm von außen nach innen lösen. Große, hautnahe Filzplatten dürfen nicht mit der Schere entfernt werden - Katzenhaut ist sehr dünn und reißt leicht. Das gehört in die Praxis, teils unter Sedierung.
- Muss man Katzen baden?
- In der Regel nicht. Katzen reinigen sich selbst und Baden entfernt den natürlichen Fettfilm. Notwendig wird es nur bei Verschmutzung mit schädlichen Substanzen, bei bestimmten Hauterkrankungen nach tierärztlicher Anweisung oder bei alten Katzen, die sich nicht mehr pflegen können.