Katze kastrieren lassen: Zeitpunkt, Ablauf und Folgen
Die Kastration ist der am häufigsten durchgeführte planbare Eingriff in der Kleintiermedizin. Trotzdem ranken sich viele Halbwahrheiten darum - vor allem zum Zeitpunkt und zu den Folgen.
Kastration ist nicht Sterilisation
Die beiden Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen, meinen aber Unterschiedliches:
- Kastration: Entfernung der Keimdrüsen. Beim Kater die Hoden, bei der Kätzin die Eierstöcke, häufig zusammen mit der Gebärmutter. Die Hormonproduktion endet, damit auch Rolligkeit, Markieren und Streuner-Verhalten.
- Sterilisation: Durchtrennen von Samenleiter oder Eileiter. Das Tier wird unfruchtbar, produziert aber weiter Sexualhormone. Rolligkeit, Markieren und Revierkämpfe bleiben bestehen.
Bei Katzen wird praktisch immer kastriert, weil die Verhaltensänderung der eigentliche Zweck ist.
Der richtige Zeitpunkt
Der übliche Zeitraum liegt zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat - vor der ersten Rolligkeit bei der Kätzin, vor Beginn des Markierens beim Kater. Katzen werden früher geschlechtsreif als viele annehmen; Kätzinnen können bereits mit vier Monaten rollig werden.
Frühkastrationen ab etwa der zwölften Woche sind medizinisch etabliert und werden vor allem in Tierheimen durchgeführt, um Vermittlungen ohne spätere Nachkontrolle zu ermöglichen. Nachteile für Wachstum oder Harnwege sind bei Katzen in Studien nicht belegt worden.
Für Freigänger ist die Kastration in vielen Kommunen ohnehin verpflichtend. Zahlreiche Gemeinden haben Kastrationsverordnungen erlassen, die Kastration, Kennzeichnung und Registrierung für frei laufende Katzen vorschreiben. Ein Blick in die örtliche Satzung lohnt sich. Mehr zu Kennzeichnung und Registrierung steht unter Katze chippen und registrieren.
Ablauf
Vorbereitung. Die Katze muss nüchtern sein, üblich sind zwölf Stunden ohne Futter. Wasser bleibt meist bis zwei Stunden vorher verfügbar - die genauen Vorgaben macht die Praxis. Vor dem Eingriff erfolgt eine Allgemeinuntersuchung; bei älteren Tieren ist ein Blutbild zur Narkosevorbereitung sinnvoll.
Beim Kater. Kurzer Eingriff von wenigen Minuten. Über einen kleinen Schnitt am Hodensack werden beide Hoden entfernt. Die Wunde wird in der Regel nicht genäht, sondern heilt offen. Die Katze kann meist noch am selben Tag mit nach Hause.
Bei der Kätzin. Bauchhöhleneingriff über einen Schnitt in der Flanke oder der Bauchmitte. Entfernt werden die Eierstöcke, häufig auch die Gebärmutter. Der Eingriff dauert länger und erfordert eine Naht, die nach etwa zehn Tagen gezogen wird - sofern kein selbstauflösendes Material verwendet wurde.
Nach der Narkose. Die Katze braucht einen ruhigen, warmen, abgedunkelten Platz ohne Sprungmöglichkeiten. Die Koordination ist mehrere Stunden eingeschränkt, deshalb sind Kratzbäume, Fensterbretter und Treppen zunächst tabu. Futter gibt es erst, wenn die Katze wieder sicher steht - meist am Abend, in kleiner Portion.
Nachsorge bei der Kätzin
- Wunde täglich kontrollieren: Rötung, Schwellung, Nässen oder Wärme sind Gründe für einen Anruf in der Praxis.
- Belecken verhindern. Body oder Halskragen für etwa zehn Tage. Der Body wird von den meisten Katzen deutlich besser toleriert.
- Ruhig halten. Springen und Toben sollten in den ersten Tagen unterbunden werden, was in der Praxis der schwierigste Teil ist.
- Kein Freigang bis die Wunde verschlossen ist.
- Katzenstreu: In den ersten Tagen staubarmes, feinkörniges Streu verwenden, damit nichts in die Wunde gelangt.
Der teuerste Nebeneffekt: Gewicht
Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf um etwa zwanzig bis dreißig Prozent, während der Appetit häufig steigt. Wer die Futtermenge nicht anpasst, hat binnen weniger Monate eine übergewichtige Katze - und Übergewicht ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Diabetes, Gelenkprobleme und Harnwegserkrankungen.
Konkret bedeutet das: Die Ration wird neu berechnet, siehe Wie viel Futter braucht eine Katze. Ein Wechsel auf ein Futter für kastrierte Katzen ist möglich, aber nicht zwingend - entscheidend ist die Menge, nicht das Etikett.
Zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff sollte das Gewicht kontrolliert werden, danach monatlich. Wie das zuverlässig geht: Katze wiegen. Läuft es bereits in die falsche Richtung, hilft Katze ist zu dick.
Was sich sonst ändert
Kastrierte Katzen sind in der Regel ausgeglichener, streunen weniger und geraten seltener in Revierkämpfe - was bei Freigängern das Risiko für Bissverletzungen und Infektionen mit FIV und FeLV deutlich senkt.
Was sich nicht ändert: der Charakter. Die verbreitete Sorge, eine kastrierte Katze werde “langweilig”, bestätigt sich nicht. Jagd-, Spiel- und Erkundungsverhalten bleiben erhalten. Was wegfällt, ist der hormonell getriebene Stress.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?
- Bei der Kastration werden die Keimdrüsen entfernt, also Hoden beziehungsweise Eierstöcke. Damit endet die Hormonproduktion und das Sexualverhalten. Bei der Sterilisation werden nur Samen- oder Eileiter durchtrennt, die Hormone bleiben. Rolligkeit und Markierverhalten bestehen fort. In der Praxis wird bei Katzen fast ausschließlich kastriert.
- Ab wann kann eine Katze kastriert werden?
- Üblich ist der Zeitraum zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat, also vor der ersten Rolligkeit beziehungsweise vor Beginn des Markierens. Eine Frühkastration ab etwa der zwölften Woche ist medizinisch möglich und wird in Tierheimen praktiziert.
- Muss ich meine Wohnungskatze kastrieren lassen?
- Auch bei reiner Wohnungshaltung sprechen gute Gründe dafür. Eine unkastrierte Kätzin wird alle zwei bis drei Wochen rollig, was Dauerstress bedeutet und das Risiko für Gebärmutterentzündungen und Gesäugetumoren erhöht. Unkastrierte Kater markieren häufig auch in der Wohnung.