Katze ist zu dick: sicher abnehmen ohne Risiko
Übergewicht ist die häufigste vermeidbare Gesundheitsstörung bei Hauskatzen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa vierzig bis sechzig Prozent der Wohnungskatzen in Industrieländern zu viel wiegen. Bei einer 4-Kilogramm-Katze sind bereits 800 Gramm Übergewicht der Anteil, der beim Menschen etwa fünfzehn Kilogramm entspräche.
Warum es relevant ist
Übergewicht ist bei Katzen kein kosmetisches Thema. Es erhöht das Risiko für:
- Diabetes mellitus - übergewichtige Katzen erkranken deutlich häufiger
- Arthrose, die bei Katzen selten erkannt wird, weil sie nicht humpeln, sondern aufhören zu springen
- Harnwegserkrankungen, weil übergewichtige Katzen sich schlechter putzen und weniger trinken
- Hautprobleme, weil der Rücken beim Putzen nicht mehr erreicht wird
- Narkoserisiko bei jedem Eingriff
- Verkürzte Lebenserwartung
Erkennen: der Rippentest
Die Waage allein sagt wenig, weil das Idealgewicht je nach Rasse und Körperbau zwischen drei und sieben Kilogramm liegen kann. Aussagekräftig ist der Body Condition Score:
- Rippen tasten. Bei Idealgewicht sind die Rippen unter leichtem Druck spürbar, ähnlich wie die Knöchel am Handrücken. Braucht man deutlichen Druck, ist die Katze zu dick. Sind die Rippen sichtbar, zu dünn.
- Von oben schauen. Hinter dem Rippenbogen sollte die Silhouette leicht einziehen. Eine gerade oder nach außen gewölbte Linie spricht für Übergewicht.
- Von der Seite schauen. Die Bauchlinie steigt bei einer normalgewichtigen Katze nach hinten leicht an.
Der Primordialbeutel - die lose Hautfalte am Unterbauch - ist normal und kein Fett. Er schwingt beim Laufen mit und ist bei vielen Rassen ausgeprägt.
Der gefährlichste Fehler: zu schnell
Katzen dürfen nicht wie Menschen abnehmen. Bei starker Kalorienrestriktion mobilisiert der Körper mehr Fett, als die Leber verarbeiten kann. Es kommt zur hepatischen Lipidose, einer Leberverfettung, die unbehandelt tödlich verläuft. Ausgerechnet stark übergewichtige Katzen sind am stärksten gefährdet, weil sie am meisten Fett mobilisieren.
Sichere Rate: ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Mehr nicht. Eine Reduktion um ein Kilogramm dauert damit realistisch drei bis sechs Monate.
Der Plan
Schritt 1: Zielgewicht festlegen. Am besten in der Praxis, weil dort auch abgeklärt wird, ob eine Erkrankung hinter dem Gewicht steckt - etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, wenn auch selten bei Katzen.
Schritt 2: Bedarf für das Zielgewicht berechnen. Als Ausgangspunkt rund 60 Kilokalorien je Kilogramm Zielgewicht, davon etwa 70 bis 80 Prozent für die Reduktionsphase. Beispiel: Zielgewicht 4,5 kg → Erhaltung ca. 270 kcal → Reduktion ca. 190 bis 215 kcal. Die genaue Umrechnung in Gramm steht unter Futtermenge berechnen.
Schritt 3: Auf Nassfutter umstellen oder den Anteil erhöhen. Nassfutter hat eine geringere Energiedichte - die Katze bekommt mehr Volumen bei weniger Kalorien und fühlt sich satter. Das ist der wirksamste einzelne Hebel.
Schritt 4: Leckerlis in die Ration einrechnen. Snacks dürfen maximal zehn Prozent der Tagesenergie ausmachen und werden vom Hauptfutter abgezogen, nicht draufgerechnet.
Schritt 5: Portionieren statt frei füttern. Vier bis fünf abgewogene Mahlzeiten. Eine Küchenwaage ist hier wichtiger als jedes Diätfutter.
Schritt 6: Wöchentlich wiegen und notieren. Ohne Dokumentation merkt man Stillstand oder zu schnellen Verlust nicht. Wie das geht: Katze wiegen.
Bewegung und Beschäftigung
Katzen nehmen nicht primär über Bewegung ab - der Hebel ist die Energiezufuhr. Bewegung erhält aber Muskelmasse und beugt Langeweile vor, die selbst ein Fressauslöser ist.
Praktisch: zwei bis drei kurze Spieleinheiten täglich mit Reizangel, Futter in Futterbälle oder Schnüffelmatten geben, Näpfe an verschiedene Orte in der Wohnung stellen. Ideen dazu stehen unter Wohnungskatze beschäftigen.
Das Betteln aushalten
Der schwierigste Teil ist selten die Katze, sondern der Mensch. Eine Katze, die drei Wochen lang morgens um fünf ruft, gewinnt oft. Was hilft:
- Die Tagesration auf mehr Mahlzeiten verteilen statt sie zu erhöhen.
- Einen Futterautomaten mit Zeitschaltung nutzen, damit die Fütterung nicht an die Person gekoppelt ist.
- Aufmerksamkeit von Futter entkoppeln - Spielen statt Füttern, wenn die Katze ruft.
- Im Mehrkatzenhaushalt getrennt füttern, sonst frisst die schnellere Katze beide Rationen.
Im Mehrkatzenhaushalt
Getrennte Fütterung ist Pflicht, sonst funktioniert keine Reduktion. Möglichkeiten: räumlich getrennte Fütterung in verschiedenen Zimmern, erhöhter Futterplatz für die schlanke Katze, die noch springt, oder Mikrochip-gesteuerte Futternäpfe, die sich nur für ein bestimmtes Tier öffnen.
Was danach kommt
Ist das Zielgewicht erreicht, wird die Ration auf den Erhaltungsbedarf angehoben - nicht zurück auf die alte Menge, sonst beginnt der Zyklus von vorn. Monatliche Gewichtskontrolle bleibt sinnvoll, besonders nach der Kastration, die den Bedarf dauerhaft senkt.
Häufige Fragen
- Wie schnell darf eine Katze abnehmen?
- Maximal ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Bei einer 6-kg-Katze sind das 60 bis 120 Gramm. Schneller ist gefährlich: Bei zu starker Kalorienrestriktion droht eine hepatische Lipidose, eine Leberverfettung, die tödlich verlaufen kann.
- Woran erkenne ich, dass meine Katze zu dick ist?
- Am Body Condition Score. Die Rippen sollten unter leichtem Fingerdruck spürbar sein. Ist dafür deutlicher Druck nötig, ist die Katze übergewichtig. Von oben betrachtet sollte hinter dem Rippenbogen eine Taille erkennbar sein.
- Ist ein hängender Bauch bei Katzen immer Fett?
- Nein. Die Hautfalte am Unterbauch, der Primordialbeutel, ist anatomisch normal und bei manchen Rassen besonders ausgeprägt. Entscheidend ist der Rippentest, nicht die Bauchlinie.