Krallen schneiden bei Katzen: wann und wie
Anders als bei Hunden ist Krallenschneiden bei Katzen kein Routinethema. Katzenkrallen sind einziehbar und werden beim Kratzen gepflegt: Die Katze streift die alte Hornschicht ab, darunter kommt eine frische, scharfe Kralle zum Vorschein. Eine gesunde Katze mit ausreichend Kratzmöglichkeiten regelt das allein.
Wann es doch nötig wird
Alte oder kranke Katzen. Wer sich wegen Arthrose oder Schwäche kaum noch streckt und kratzt, wetzt die Krallen nicht ab. Sie wachsen weiter, krümmen sich und können in den Ballen einwachsen. Das ist schmerzhaft und infektionsanfällig. Bei Katzen über zwölf Jahren gehört ein regelmäßiger Blick auf die Pfoten zur Routine.
Wolfskralle. Die Daumenkralle an der Innenseite der Vorderpfote hat keinen Bodenkontakt und nutzt sich kaum ab. Sie ist der häufigste Fall einer eingewachsenen Kralle.
Polydaktylie. Katzen mit zusätzlichen Zehen haben oft Krallen ohne Bodenkontakt, die kontrolliert werden müssen.
Hängenbleiben. Wenn die Katze regelmäßig in Teppichen, Decken oder Polstern hängen bleibt, sind die Krallen zu lang oder zu spitz - oder es fehlen geeignete Kratzflächen.
Zu wenig Kratzmöglichkeiten. Der eigentliche Grund in vielen Haushalten. Bevor man schneidet, lohnt der Blick darauf, ob die Katze überhaupt vernünftig kratzen kann.
Der Kratzbaum ist die bessere Lösung
Kratzen dient nicht nur der Krallenpflege. Es ist Markierverhalten - über Duftdrüsen an den Pfoten - und Dehnung der gesamten Rückenmuskulatur.
Worauf es ankommt:
- Höhe. Die Katze muss sich vollständig strecken können, aufgerichtet und mit ausgestreckten Vorderbeinen. Viele Kratzbäume sind für ausgewachsene Katzen zu niedrig.
- Stabilität. Ein wackelnder Kratzbaum wird gemieden.
- Material. Sisal ist Standard und bewährt. Manche Katzen bevorzugen Pappe, Holz oder Teppich - hier lohnt Ausprobieren.
- Ausrichtung. Nicht jede Katze kratzt senkrecht. Manche bevorzugen waagerechte Flächen. Beides anbieten.
- Standort. Dort, wo die Katze sich aufhält und wo sie bisher gekratzt hat - nicht in der ungenutzten Ecke. Wer das Sofa schützen will, stellt eine attraktive Kratzfläche direkt daneben.
Anatomie: wo das Leben sitzt
In der Kralle verläuft das sogenannte Leben - ein Bereich mit Blutgefäßen und Nerven. Bei hellen Krallen ist er als rosa Dreieck gut zu erkennen. Man schneidet nur die durchsichtige Spitze davor, mit einigen Millimetern Abstand.
Bei dunkel pigmentierten Krallen ist das Leben nicht sichtbar. Hier schneidet man nur wenig von der Spitze ab, im Zweifel lieber zu wenig und dafür häufiger.
Schritt für Schritt
Vorbereitung. Krallenschere für Katzen - Zangen- oder Guillotinemodell. Eine Nagelschere für Menschen quetscht die Kralle und splittert sie. Blutstillendes Pulver bereitlegen, für den Fall der Fälle.
Gewöhnung. Über mehrere Tage die Pfoten anfassen, ohne zu schneiden. Sanfter Druck auf Ballen und Zehenoberseite lässt die Kralle ausfahren. Loben, belohnen, aufhören, solange es entspannt bleibt.
Der Schnitt.
- Ruhiger Moment, Katze entspannt auf dem Schoß oder auf dem Tisch.
- Pfote sanft halten, mit Daumen und Zeigefinger auf die Zehe drücken, bis die Kralle ausfährt.
- Kralle gegen das Licht halten, das Leben lokalisieren.
- Nur die Spitze abschneiden, senkrecht zur Kralle, nicht schräg.
- Loben. Nach ein bis zwei Krallen aufhören, wenn die Katze unruhig wird.
Es ist völlig in Ordnung, an einem Tag nur zwei Krallen zu schneiden. Zwang zerstört die Kooperation für lange Zeit.
Wenn es blutet. Ruhig bleiben. Mit sauberem Tuch Druck auf die Spitze geben. Blutstillendes Pulver oder ersatzweise Maisstärke auftragen. Blutet es nach mehreren Minuten weiter, in die Praxis.
Was nicht geht
Krallenamputation. Das Entfernen der Krallen samt Endglied ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz verboten und wird international zunehmend geächtet. Es handelt sich um eine Amputation, die zu chronischen Schmerzen, verändertem Gangbild und Verhaltensproblemen führt.
Krallenkappen. Aufgeklebte Kunststoffkappen behindern das natürliche Ausfahren der Krallen, können Druckstellen verursachen und lösen das eigentliche Problem nicht.
Pfoten mitkontrollieren
Wer ohnehin an den Pfoten arbeitet, kann gleich mitschauen:
- Rissige oder rote Ballen
- Fremdkörper zwischen den Zehen
- Geschwollene Zehen
- Verfilzungen im Fell zwischen den Ballen, besonders bei Langhaar - siehe Fellpflege
- Eingewachsene Krallen
Bei Freigängern lohnt der Blick nach jedem größeren Ausflug. Und wenn eine Katze plötzlich eine Pfote schont, gehört das abgeklärt.
Häufige Fragen
- Muss ich meiner Katze die Krallen schneiden?
- In der Regel nicht. Katzen wetzen ihre Krallen selbst, wenn geeignete Kratzmöglichkeiten vorhanden sind. Nötig wird es bei alten oder kranken Katzen, die sich nicht mehr ausreichend bewegen, bei eingewachsenen Krallen und bei der Wolfskralle, die keinen Bodenkontakt hat.
- Wo darf ich nicht schneiden?
- Nicht in das rosa durchscheinende Leben, in dem Blutgefäße und Nerven verlaufen. Bei hellen Krallen ist es gut sichtbar. Man schneidet nur die durchsichtige Spitze, mit deutlichem Sicherheitsabstand.
- Was tun, wenn ich zu kurz geschnitten habe?
- Ruhig bleiben und mit einem sauberen Tuch Druck auf die Krallenspitze ausüben. Blutstillendes Pulver aus dem Fachhandel oder notfalls Maisstärke hilft. Blutet es nach einigen Minuten weiter oder ist die Katze deutlich beeinträchtigt, in die Praxis.