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Der Körperbau der Katze: Skelett, Muskeln, Pfoten

Kein Schlüsselbeingelenk, 30 Wirbel und ein Gang auf Zehenspitzen: Der Katzenkörper ist konsequent auf Schleichen, Springen und Fangen gebaut.

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Die Hauskatze ist anatomisch ein weitgehend unveränderter Jäger. Anders als beim Hund, wo Zucht die Körperform teils drastisch verändert hat, ähnelt eine Hauskatze ihrer wildlebenden Verwandtschaft noch stark.

Skelett

Eine Katze hat etwa 230 bis 250 Knochen, ein Mensch rund 206 - bei einem Bruchteil der Größe. Die genaue Zahl schwankt mit der Länge des Schwanzes.

Wirbelsäule. Rund 30 Wirbel bis zum Schwanzansatz, plus 18 bis 23 Schwanzwirbel. Die einzelnen Wirbel sind durch elastische Bandscheiben verbunden und deutlich beweglicher als beim Menschen. Eine Katze kann ihren Rücken um etwa 180 Grad drehen - Grundlage für den Stellreflex im Fall und für die Fellpflege am eigenen Rücken.

Schlüsselbein. Der entscheidende Unterschied zum Menschen: Das Schlüsselbein der Katze ist stark zurückgebildet und nicht mit dem übrigen Skelett verbunden. Es liegt frei in der Muskulatur. Dadurch lassen sich die Schultern stark zusammenführen, und die Katze passt durch erstaunlich enge Öffnungen. Die Faustregel “wo der Kopf durchpasst, passt die Katze” stimmt weitgehend - solange kein Übergewicht im Weg ist.

Die fehlende starre Schulterverbindung wirkt außerdem als Stoßdämpfer bei der Landung.

Bewegung

Zehengang. Katzen laufen auf den Zehen, nicht auf der Sohle. Das verlängert den Schritt und ermöglicht lautloses Anschleichen. Die Ballen sind gepolstert und dämpfen Geräusche zusätzlich.

Passgang. Beim langsamen Gehen setzt die Katze die Beine einer Körperseite fast gleichzeitig - eine Gangart, die sie mit Kamelen und Giraffen teilt. Beim Schleichen setzt sie die Hinterpfote exakt in den Abdruck der Vorderpfote, was die Zahl der Geräuschquellen halbiert.

Sprung. Aus dem Stand schaffen Katzen etwa das Fünf- bis Sechsfache ihrer Körperhöhe. Die Kraft kommt aus der stark bemuskelten Hinterhand; die Wirbelsäule wird dabei zusammengezogen und schnellt wie eine Feder nach vorn.

Ausdauer. Katzen sind Sprinter, keine Läufer. Der Muskelaufbau ist auf kurze, explosive Belastung ausgelegt. Eine Katze jagt in einem kurzen Sprint und gibt auf, wenn die Beute entkommt - eine Dauerhetze wäre energetisch unwirtschaftlich.

Pfoten und Krallen

Vorne fünf Zehen, hinten vier. Die fünfte Zehe an der Vorderpfote, die Wolfskralle, sitzt weiter oben und hat keinen Bodenkontakt. Sie wird beim Festhalten von Beute und beim Klettern eingesetzt - und muss kontrolliert werden, weil sie sich nicht von selbst abnutzt, siehe Krallen schneiden.

Einziehbare Krallen. Im Ruhezustand werden die Krallen durch elastische Bänder in Hauttaschen zurückgezogen. Zum Ausfahren spannt die Katze aktiv eine Sehne an. Der Sinn: Die Krallenspitzen bleiben scharf, weil sie beim Laufen nicht abgenutzt werden.

Manche Katzen haben zusätzliche Zehen - Polydaktylie. Das ist eine harmlose Erbanlage, die vor allem bei Katzen mit nordamerikanischer Abstammung vorkommt und keinen Krankheitswert hat.

Kopf und Gebiss

Der Katzenschädel ist kurz und kräftig, mit ausgeprägten Kaumuskeln. Das Kiefergelenk erlaubt fast nur eine Auf- und Abbewegung, kaum seitliches Mahlen - typisch für einen reinen Fleischfresser.

Eine erwachsene Katze hat 30 Zähne. Die Reißzähne, das sogenannte Brechscherengebiss, schneiden Fleisch wie eine Schere. Katzen kauen kaum; sie zerteilen und schlucken. Das ist auch der Grund, warum Katzen ohne Backenzähne nach einer Zahnsanierung erstaunlich gut zurechtkommen - siehe Zahnpflege bei Katzen.

Die Zunge ist mit nach hinten gerichteten Hornpapillen besetzt. Sie dienen dem Ablösen von Fleisch vom Knochen und der Fellpflege - und sie sind der Grund, warum Katzen verschluckte Fäden nicht wieder ausspucken können. Ein Faden am Zungengrund ist ein Notfall, siehe Erste Hilfe.

Der Schwanz

Zwei Funktionen:

Gleichgewicht. Beim Balancieren auf schmalen Flächen und beim Richtungswechsel im Sprung wirkt der Schwanz als Gegengewicht.

Kommunikation. Die Schwanzhaltung ist eines der wichtigsten Signale:

  • Senkrecht aufgestellt mit leicht gebogener Spitze: freundliche Begrüßung
  • Aufgeplustert und aufgestellt: Erregung, Drohung oder Angst
  • Peitschendes Hin- und Herschlagen: Anspannung, Unmut
  • Zwischen die Beine geklemmt: Angst, Unterwerfung
  • Zuckende Spitze: konzentrierte Aufmerksamkeit, oft bei der Jagd

Katzen ohne Schwanz - etwa die Manx-Katze - kommen zurecht, kommunizieren aber eingeschränkter.

Der Primordialbeutel

Die lose Hautfalte am Unterbauch wird häufig für Übergewicht gehalten. Sie ist normal und bei manchen Rassen besonders ausgeprägt. Vermutete Funktionen: Bewegungsfreiheit beim Strecken und Springen sowie Schutz der Bauchorgane bei Kämpfen, in denen Katzen mit den Hinterbeinen treten.

Für die Gewichtsbeurteilung ist deshalb nicht die Bauchlinie maßgeblich, sondern der Rippentest - siehe Katze ist zu dick.

Häufige Fragen

Warum passen Katzen durch so enge Spalten?
Weil das Schlüsselbein bei Katzen nicht mit dem Skelett verbunden ist, sondern frei in der Muskulatur liegt. Die Schultern können dadurch stark zusammengeführt werden. Wo der Kopf durchpasst, passt in der Regel der ganze Körper - vorausgesetzt, die Katze ist nicht übergewichtig.
Wie hoch können Katzen springen?
Etwa das Fünf- bis Sechsfache der eigenen Körperhöhe aus dem Stand. Die Kraft kommt aus der Hinterhand, die Wirbelsäule wirkt dabei wie eine gespannte Feder.
Wozu dient der Schwanz der Katze?
Er dient dem Gleichgewicht bei Sprüngen und auf schmalen Flächen und ist zugleich ein zentrales Kommunikationsmittel. Aufgestellter Schwanz mit leichter Krümmung ist eine freundliche Begrüßung, aufgeplusterter Schwanz signalisiert Erregung oder Angst.