Kitten richtig füttern: von der Aufzucht bis zum ersten Geburtstag
Kitten wachsen schneller, als es aussieht. Ein Neugeborenes wiegt rund 100 Gramm, mit einem Jahr sind es bei einer Hauskatze etwa drei bis vier Kilogramm. In diese Zeit fällt der Aufbau von Skelett, Muskulatur, Immunsystem und Nervengewebe - und das gesamte Baumaterial kommt aus dem Napf.
Die ersten Wochen
Woche 1 bis 3: Ausschließlich Muttermilch. Die erste Milch, das Kolostrum, überträgt Antikörper und ist in den ersten 24 bis 48 Stunden entscheidend. Zufüttern ist in dieser Phase weder nötig noch sinnvoll.
Woche 4 bis 6: Beginn der Zufütterung. Angeboten wird hochwertiges Kittenfutter, mit warmem Wasser zu einem Brei angerührt. Kitten lernen in dieser Phase durch Nachahmung der Mutter. Die Milchaufnahme geht parallel zurück.
Woche 7 bis 9: Die Entwöhnung ist meist abgeschlossen. Das Futter wird schrittweise fester angeboten.
Ab Woche 8 bis 12: Frühestens jetzt sollte ein Kitten in ein neues Zuhause umziehen. Zwölf Wochen sind besser als acht - die Sozialisierung durch Mutter und Wurfgeschwister in dieser Phase prägt das spätere Verhalten stark.
Wenn die Mutter fehlt
Handaufzucht ist aufwendig und gehört fachlich begleitet. Kernpunkte: Katzenaufzuchtmilch aus dem Fachhandel, niemals Kuhmilch. Fütterung in den ersten Wochen alle zwei bis drei Stunden, auch nachts. Nach jeder Mahlzeit muss die Verdauung durch sanftes Massieren des Bauch- und Analbereichs mit einem feuchten Tuch angeregt werden, weil Kitten das in diesem Alter nicht selbst können.
Der Bedarf im Wachstum
Kitten brauchen pro Kilogramm Körpergewicht ein Vielfaches dessen, was eine erwachsene Katze benötigt:
| Alter | Energiebedarf je kg Körpergewicht |
|---|---|
| 10 Wochen | rund 200 kcal |
| 20 Wochen | rund 130 kcal |
| 30 Wochen | rund 100 kcal |
| 40 Wochen | rund 85 kcal |
| ab 12 Monaten | 60 bis 70 kcal |
Das erklärt, warum Kittenfutter deutlich energie- und proteinreicher formuliert ist als Adultfutter. Ein Kitten mit Adultfutter zu ernähren, führt zu Unterversorgung; ein erwachsenes Tier dauerhaft mit Kittenfutter zu füttern, führt zu Übergewicht.
Wichtig für Kitten bis etwa sechs Monate: Futter sollte dauerhaft verfügbar sein oder in vielen kleinen Portionen angeboten werden - vier bis sechs Mahlzeiten täglich. Der Magen ist klein, der Bedarf hoch. Eine Rationierung wie bei erwachsenen Katzen ist in dieser Phase nicht angebracht.
Worauf beim Kittenfutter zu achten ist
- Es muss als Alleinfuttermittel für Wachstum deklariert sein.
- Hoher Anteil tierischen Proteins, beziffert auf der Packung.
- Taurin und ausreichend Arachidonsäure, beides für Katzen essenziell.
- Ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis, etwa 1,1 bis 1,3 zu 1. Selbst gemischte Rationen ohne exakte Berechnung führen hier schnell zu Skelettschäden.
- Kleine Krokettengröße bei Trockenfutter, weiche Textur bei Nassfutter.
Wie man diese Angaben auf der Packung findet, steht unter Deklaration lesen.
Häufige Fehler
Kuhmilch. Der Klassiker aus dem Bilderbuch. Kitten und erwachsene Katzen verlieren nach der Entwöhnung weitgehend die Fähigkeit, Laktose zu spalten. Die Folge ist Durchfall. Mehr dazu unter Darf meine Katze Milch trinken.
Zu früher Wechsel auf Adultfutter. Häufig aus Kostengründen. Das Wachstum ist mit sechs Monaten nicht abgeschlossen, auch wenn das Kitten fast erwachsen aussieht.
Selbst zusammengestellte Rationen ohne Berechnung. Reines Muskelfleisch führt bei Kitten binnen weniger Wochen zu Calciummangel und Knochenverformungen. Rohfütterung im Wachstum gehört fachlich berechnet oder gelassen.
Zu frühe Trennung von der Mutter. Kitten, die mit sechs Wochen abgegeben werden, zeigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten und Probleme mit der Beißhemmung.
Der Übergang zum Adultfutter
Mit etwa zwölf Monaten - bei großen Rassen später - stellt man auf Adultfutter um. Das geschieht schrittweise über sieben bis zehn Tage, wie unter Futterumstellung beschrieben.
Fällt die Umstellung mit der Kastration zusammen, ist besondere Aufmerksamkeit gefragt: Der Energiebedarf sinkt nach der Kastration um etwa zwanzig bis dreißig Prozent, während der Appetit oft steigt. Wer die Menge nicht anpasst, hat binnen weniger Monate eine übergewichtige Katze. Was bei der Kastration sonst zu beachten ist, steht unter Katze kastrieren lassen.
Häufige Fragen
- Ab wann dürfen Kitten festes Futter fressen?
- Ab etwa der vierten Lebenswoche beginnt die Zufütterung mit weichem, angefeuchtetem Kittenfutter. Vollständig entwöhnt sind Kitten meist zwischen der siebten und neunten Woche. Vor der achten bis zwölften Woche sollte ein Kitten die Mutter ohnehin nicht verlassen.
- Wie lange braucht eine Katze Kittenfutter?
- Bis etwa zum zwölften Lebensmonat. Große Rassen wie Maine Coon oder Norwegische Waldkatze wachsen länger und bekommen Kittenfutter oft bis zum fünfzehnten bis achtzehnten Monat.
- Darf ich Kitten Kuhmilch geben?
- Nein. Kuhmilch enthält zu viel Laktose und zu wenig Protein und Fett für Katzenwelpen. Sie führt zu Durchfall. Muss ein Kitten mit der Flasche aufgezogen werden, gehört Katzenaufzuchtmilch in die Flasche, kein Kuh- oder Pflanzendrink.