Ernährung

Katzenfutter-Etikett lesen: was die Deklaration wirklich verrät

Die Vorderseite der Verpackung ist Werbung. Die Wahrheit steht klein gedruckt auf der Rückseite - man muss nur wissen, wie man sie liest.

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Auf der Vorderseite steht “mit zartem Huhn” und ein Foto von einem Hühnerfilet. Auf der Rückseite steht, dass vier Prozent Huhn enthalten sind. Beides ist rechtlich korrekt. Der Unterschied zwischen Marketing und Inhalt lässt sich nur über die Deklaration klären.

Alleinfutter oder Ergänzungsfutter

Die erste Frage vor allen anderen: Steht auf der Packung Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel?

Nur ein Alleinfuttermittel deckt den kompletten Nährstoffbedarf und darf dauerhaft als einzige Nahrung gefüttert werden. Ergänzungsfuttermittel sind als Beigabe gedacht. Viele reine Fleischdosen aus dem Barf-Regal und praktisch alle Snacks fallen in diese Kategorie. Wer sie als Hauptfutter einsetzt, riskiert langfristig einen Mangel - besonders bei Taurin, Calcium und Vitamin A.

Die Prozentregel

Die Mengenangaben auf der Vorderseite sind gesetzlich definiert:

FormulierungMindestanteil
“mit Huhn”4 %
“Huhn-Menü”, “reich an Huhn”14 %
“hoher Fleischanteil” (kein fester Begriff)nicht definiert
“Huhn pur”, “100 % Huhn” bei der Tierart26 % oder mehr, je nach Auslobung

“Mit Huhn und Rind” heißt nicht, dass beides gleich viel enthalten ist. Es heißt, dass von beiden zusammen mindestens vier Prozent enthalten sind.

Offene und geschlossene Deklaration

Geschlossene Deklaration arbeitet mit Sammelbegriffen: “Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse”, “Getreide”, “pflanzliche Nebenerzeugnisse”. Der Hersteller darf innerhalb dieser Gruppen die Rezeptur wechseln, ohne das Etikett zu ändern. Für Katzen mit Futtermittelunverträglichkeit ist das ein echtes Problem, weil sich der Auslöser nicht eingrenzen lässt.

Offene Deklaration nennt Ross und Reiter: “68 % Huhn (davon 20 % Herz, 15 % Leber, 10 % Magen)”. Hier weiß man, was in der Dose ist.

Für gesunde Katzen ist eine geschlossene Deklaration nicht automatisch schlecht. Sobald es um Ausschlussdiäten oder wiederkehrende Verdauungsprobleme geht, führt an offener Deklaration kein Weg vorbei.

Die Reihenfolge zählt

Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Das klingt eindeutig, hat aber eine Falle: Wird eine Zutat in mehrere Unterformen aufgeteilt - etwa “Maismehl”, “Maisgluten” und “Maiskleie” -, rutscht jede einzelne Position nach hinten, obwohl Mais in Summe an erster Stelle stünde. Dieses “Splitting” ist bei günstigem Trockenfutter verbreitet.

Die Analytischen Bestandteile

Der zweite Block auf der Rückseite nennt Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit. Wichtig: Diese Werte beziehen sich auf das Futter inklusive Wasser. Ein Nassfutter mit 10 Prozent Rohprotein und 80 Prozent Feuchtigkeit hat in der Trockensubstanz rund 50 Prozent Protein - deutlich mehr, als die Zahl zunächst suggeriert.

Um Nass- und Trockenfutter fair zu vergleichen, rechnet man auf Trockensubstanz um:

Wert in Trockensubstanz = Deklarierter Wert ÷ (100 − Feuchtigkeit) × 100

Beispiel: 10 % Protein bei 80 % Feuchtigkeit → 10 ÷ 20 × 100 = 50 % in der Trockensubstanz.

Typische Orientierungswerte für ein gutes Alleinfutter in Trockensubstanz: Rohprotein über 40 Prozent, Rohfett 15 bis 25 Prozent, Rohfaser unter 5 Prozent, Rohasche unter 10 Prozent.

Zusatzstoffe

Unter “Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe” stehen die zugesetzten Vitamine und Spurenelemente. Taurin muss dabei sein. Vitamin A und Vitamin D ebenfalls, weil Katzen Beta-Carotin nicht in Vitamin A umwandeln können.

Zucker, Karamell und Melasse haben in Katzenfutter nichts verloren. Sie dienen der Farbgebung und der Akzeptanz, nicht der Ernährung. Bei Trockenfutter lohnt außerdem ein Blick darauf, womit konserviert wird - Tocopherole (Vitamin E) sind gängig und unproblematisch.

Getreide, ja oder nein?

Getreidefrei ist ein Verkaufsargument geworden, aber kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist der Kohlenhydratanteil insgesamt, nicht seine Quelle. Ein getreidefreies Futter, das stattdessen große Mengen Kartoffel oder Erbsenprotein enthält, ist nicht automatisch besser. Mehr dazu unter Katzenfutter ohne Getreide.

Kurz-Checkliste für den Laden

  1. Steht “Alleinfuttermittel” drauf?
  2. Ist der Fleischanteil beziffert und steht Fleisch an erster Stelle?
  3. Ist die Deklaration offen oder zumindest nachvollziehbar?
  4. Ist Taurin gelistet?
  5. Steht Zucker in irgendeiner Form in der Liste?
  6. Passt die Energiedichte zur berechneten Futtermenge?

Wer diese sechs Punkte durchgeht, sortiert im Regal schneller aus als mit jeder Testnote.

Häufige Fragen

Sind tierische Nebenerzeugnisse schlecht?
Nicht grundsätzlich. Innereien wie Herz, Leber und Lunge sind für Katzen hochwertig und in der Natur Teil der Beute. Das Problem ist die fehlende Spezifikation: Unter dem Sammelbegriff können auch schlecht verwertbare Anteile wie Federn oder Bindegewebe stecken. Eine offene Deklaration schafft Klarheit.
Was bedeutet Rohasche im Katzenfutter?
Rohasche ist der mineralische Rückstand nach dem Veraschen der Probe, also im Wesentlichen der Mineralstoffgehalt. Ein Wert von 1,5 bis 2,5 Prozent im Nassfutter ist üblich. Sehr hohe Werte können auf einen hohen Knochenanteil hindeuten.
Braucht Katzenfutter zugesetztes Taurin?
Ja. Katzen können Taurin nur in sehr geringem Umfang selbst bilden und sind auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Ein Mangel führt zu Herzmuskelschwäche und Netzhautschäden. Bei industriell hergestelltem Alleinfutter ist der Zusatz Standard und muss deklariert sein.