Impfungen für Katzen: was wirklich nötig ist
Impfungen bei Katzen werden entweder pauschal jährlich durchgeführt oder ganz weggelassen. Beides ist nicht optimal. Die Fachgesellschaften arbeiten seit Jahren mit einem risikobasierten Ansatz: Kernimpfungen für alle Katzen, weitere Impfungen nach Lebenssituation.
Core: für jede Katze
Katzenseuche (Feline Panleukopenie). Eine Parvovirose mit hoher Sterblichkeit, besonders bei Kitten. Das Virus ist extrem widerstandsfähig und überlebt in der Umwelt monatelang. Es kann über Schuhsohlen in eine Wohnung getragen werden - deshalb ist der Schutz auch für reine Wohnungskatzen sinnvoll.
Katzenschnupfen (Herpesvirus und Calicivirus). Eine Erkrankung der oberen Atemwege, die chronisch verlaufen kann. Herpesviren verbleiben nach einer Infektion lebenslang im Körper und brechen bei Stress wieder aus. Die Impfung verhindert eine Infektion nicht immer vollständig, mildert den Verlauf aber deutlich.
Diese beiden Komponenten sind meist in einem Kombinationsimpfstoff enthalten.
Non-Core: nach Risiko
Leukose (FeLV). Ein Retrovirus, das über engen Kontakt übertragen wird - gegenseitiges Putzen, gemeinsame Näpfe, Bisse. Empfohlen für Freigänger und für Katzen, die Kontakt zu unbekannten Artgenossen haben. Vor der Erstimpfung sollte ein Test erfolgen, weil eine bereits infizierte Katze von der Impfung nicht profitiert. Für reine Wohnungskatzen ohne Kontakt zu anderen Katzen in der Regel entbehrlich.
Tollwut. In Deutschland bei Haustieren praktisch getilgt. Erforderlich wird sie für Auslandsreisen und den EU-Heimtierausweis, häufig auch für Tierpensionen, teilweise bei Freigang in Grenznähe.
Chlamydien und FIP. Nur in speziellen Situationen relevant, etwa in Beständen mit nachgewiesenem Chlamydienproblem. Die FIP-Impfung wird von den gängigen Leitlinien nicht generell empfohlen.
Grundimmunisierung beim Kitten
Kitten sind in den ersten Lebenswochen durch maternale Antikörper aus der Muttermilch geschützt. Dieser Schutz nimmt individuell unterschiedlich ab und kann eine Impfung neutralisieren - deshalb wird mehrfach geimpft.
Ein typisches Schema:
| Alter | Impfung |
|---|---|
| 8 Wochen | Katzenseuche + Katzenschnupfen, ggf. Leukose |
| 12 Wochen | Wiederholung, ggf. Tollwut |
| 16 Wochen | Abschluss der Grundimmunisierung |
| 12 Monate | erste Auffrischung |
Der Termin mit 16 Wochen wird häufig ausgelassen, ist aber wichtig: Bei einem Teil der Kitten wirkt die Impfung mit acht und zwölf Wochen noch nicht, weil die maternalen Antikörper zu hoch sind.
Auffrischung danach
Nach der Auffrischung mit einem Jahr gilt grob:
- Katzenseuche: alle drei Jahre
- Katzenschnupfen: jährlich bei erhöhtem Risiko (Freigang, Mehrkatzenhaushalt, Pension), sonst nach Absprache in längeren Abständen
- Leukose: nach Herstellerangabe, meist alle zwei bis drei Jahre, nur solange Risiko besteht
- Tollwut: nach Zulassung des Impfstoffs, meist alle drei Jahre
Der jährliche Termin bleibt trotzdem sinnvoll - nicht wegen der Spritze, sondern wegen der Allgemeinuntersuchung. Gewichtskontrolle, Maulinspektion und Abtasten erkennen mehr Probleme früh als jede Impfung verhindert. Mehr dazu unter Krankheitszeichen bei Katzen.
Nebenwirkungen
Übliche Reaktionen in den ersten ein bis zwei Tagen: leichte Müdigkeit, eine Schwellung an der Injektionsstelle, gelegentlich etwas erhöhte Temperatur oder verminderter Appetit. Das ist normal.
Ein Tierarztkontakt ist angezeigt bei: Schwellung, die nach mehr als drei Wochen noch besteht oder größer wird, anhaltender Apathie, Erbrechen, Atemnot oder Gesichtsschwellung kurz nach der Impfung.
Das sehr seltene felines injektionsstellen-assoziierte Sarkom ist der Grund, warum moderne Impfprotokolle die Injektion nicht mehr zwischen die Schulterblätter setzen, sondern in eine Gliedmaße oder seitlich am Bauch - dort ist ein Tumor gegebenenfalls besser operabel.
Vor dem Termin
Sinnvolle Fragen in der Praxis:
- Welche Komponenten sind im verwendeten Impfstoff enthalten?
- Welches Auffrischungsintervall gilt für diesen Impfstoff?
- Welche Impfungen sind für diese Katze bei dieser Haltung nötig?
- Ist vor der Leukoseimpfung ein Test erfolgt?
Eine Impfung sollte nur eine gesunde Katze bekommen. Bei akutem Infekt, Fieber oder kurz nach einer Operation wird der Termin verschoben.
Häufige Fragen
- Welche Impfungen braucht eine reine Wohnungskatze?
- Als Kernimpfungen gelten Katzenseuche und Katzenschnupfen. Beide Erreger können über Schuhe und Kleidung in die Wohnung getragen werden, deshalb ist der Schutz auch ohne Freigang sinnvoll. Leukose und Tollwut sind für reine Wohnungskatzen in der Regel nicht erforderlich.
- Muss jährlich nachgeimpft werden?
- Nicht bei allen Komponenten. Nach abgeschlossener Grundimmunisierung wird gegen Katzenseuche üblicherweise alle drei Jahre aufgefrischt. Bei Katzenschnupfen hängt das Intervall vom Risiko ab, jährlich bei Freigang und Mehrkatzenhaushalt.
- Braucht meine Katze eine Tollwutimpfung?
- Für reine Wohnungskatzen in Deutschland nicht. Pflicht wird sie bei Reisen ins Ausland, für den EU-Heimtierausweis und teils bei Freigang in Grenzregionen. Auch für Pensionsaufenthalte wird sie häufig verlangt.